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Gemalt auf Glas und Licht – 29. März - 02. August. 2009

Gebäude

Kabinettscheiben – so etwas haben die Meisten noch nie bewusst gesehen, die bei Glasmalerei nur an Kirchenfenster denken. Kabinettscheiben sind klein, auf Nahsicht konzipiert und daher feiner gemalt, detailreicher und somit oft interessanter. Diese kostbaren Glasgemälde zierten dereinst nicht nur die Prunkzimmer der Wohlhabenden, die so genannten Kabinette. Kabinettscheiben waren aber auch in Gerichtsstuben, Rathäusern, Zunftstuben eingesetzt; außerdem vereinzelt in Kreuzgängen von Klöstern und in Privatkapellen. Ihre Blütezeit war die Renaissance, die Periode zwischen 1500 und dem Dreißigjährigen Krieg. Geografisch gibt es zwei Schwerpunkte: die Schweiz mit farbenfrohen, überwiegend zusammengesetzten und rechteckigen Scheiben, und die Niederlande einschließlich Flandern. Dort herrschten einteilige Rundscheiben vor, sog. „Roundels“, nur braun und gelb bemalt.

Ähnliche Rundscheiben wurden auch in Deutschland produziert, z. B. in Nürnberg, und das in bester Qualität. Nur wenig Glas hat sich über fünf Jahrhunderte hinweg erhalten. Umso glücklicher schätzt sich das Knauf-Museum, eine repräsentative Auswahl kostbarer Kabinettscheiben ausstellen zu können. Sie stammen aus einer süddeutschen Privatsammlung und umfassen mehr als 80 Exponate. Abgebildet sind – dem Zeitgeist entsprechend – Szenen aus dem Alten Testament samt Apokryphen, dem Neuen Testament, dem Marienleben und den Heiligen-Legenden. Rundscheiben, heute vereinzelt, waren dereinst Serienprodukte, die ganze Themenzyklen abbildeten, wie die Passionsgeschichte oder, als erhobenen moralischen Zeigefinger, das Gleichnis vom Verlorenen Sohn, von dem neun Szenen ausgestellt sind. Weltliche Themen, deutlich in der Minderzahl, fußen auf Allegorien, Symbolik, Mythologie und zeigen Jahreszeiten oder Jagdszenen.

Objekte aus der Sonderausstellung

AugustusBarbaraFischerszeneFortunaGrazienJacobusMutschler

Auch aus der Zeit vor 1500, der Gotik, sind einige Rundscheiben in der Ausstellung zu sehen; minimalistisch gezeichnet, holzschnittartig. In der Barockzeit werden die niederländischen Kabinettscheiben farbig und in Norddeutschland treten die besonders reizvollen „Fensterbierscheiben“ auf, die beim Neubau in Bauernhäuser eingesetzt wurden, als Schenkung der Nachbarn.

Während die Glasmaler selbst anonym blieben, kennen wir einige der berühmten Künstler, die die Vorlagen geschaffen haben, z.B. den mit Albrecht Dürer befreundeten Lucas van Leyden oder Augustin Hirsvogel aus Nürnberg. Des weiteren zeigt das Knauf-Museum in dieser Sonderausstellung zeitgenössische Gegenstände, wie sie auf den Glasmalereien abgebildet sind: Waffen, Helm und Harnisch, Messing-Prunkteller aus Nürnberger Fertigung und verzierte Bodenfliesen sowie Stiche und Zeichnungen, die den Malern von Kabinettscheiben als Vorlage dienten.


Publikation zur Ausstellung >>Flyer zum Download >>


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